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Schaut man sich in den meisten Badezimmern um, gleicht das Sortiment an Dingen eher einer Drogerie als einem Spa.

Da stapeln sich unzählige Shampoos, Duschgele, Cremes und Lotionen. Mit der Menge an Make Up könnte man alle Models der Fashion Week schminken. Manche haben eine ganze Parfümerie in ihrem Badezimmer – Schrank. Und für all die Gadgets gibt es nicht annähernd genug Steckdosen. Aber Hand aufs Herz, wie viele Dinge davon benutzt man wirklich? Und warum hat man überhaupt so viel von diesen Produkten?

Der Überfluss an Pflegeprodukten ist meistens vor allem ein weibliches Phänomen, das ist auch bei uns nicht anders. Wenn die Badaustattung von Männern aber nur aus Zahnbürste, Zahnpasta und Spüli für die Säuberung von Kopf bis Fuß besteht, ist das zwar sehr minimalistisch aber wohl doch etwas zu viel (oder ehr zu wenig) des Guten.

Den Beitrag zum Thema Minimalismus – Was ist das? findest du hier.

Gründlich ausmisten – nicht nur im Badezimmer

Wie werden wir den Massen auf den Regalen und in den Schränken denn nun Herr?

Für den ersten Schritt können wir uns an Marie Kondo* und ihrer Methode aus ihrem Buch Magic Cleaning* orientieren. Sie sortiert nicht nach Zimmern sondern nach Kategorien.

Alle Sachen des gleichen Typs kommen auf einen Haufen, zB alle Cremes, Lotionen, Seeren, etc. Bitte nicht nur die Utensilien aus dem Badezimmer selbst sondern auch die aus dem Kulturbeutel oder der Handtasche prüfen! Dann kontrolliert man zunächst das Haltbarkeitsdatum und wirft alles abgelaufene weg. Das mache ich regelmäßig. Oft vergisst man einfach, dass auch Pflegeprodukte, so wie viele Lebensmittel, ein Verbrauchsdatum haben. Um dieses Datum im Blick zu behalten ist es am einfachsten, das Datum am Tag es Anbruchs entweder mit einem Sticker auf dem Produkt zu vermerken oder es sich gesondert, zB in seinem Handy, im Kalender als Erinnerung einzutragen. So hat man das Verbrauchsdatum immer im Blick.  Danach kann man nochmals weitere Kategorien unterscheiden, zB Augencremes, Bodylotion, Fußcreme usw.

Es ist völlig ausreichend, wenn man für jede Kategorie nur ein Produkt im Badezimmer besitzt. Entscheidet euch für eine Bodylotion, ihr könnt ohnehin nur eine gleichzeitig benutzen! Fünf verschiedene Handcremes? Ihr habt nur zwei Hände!

Falls ihr öfter unterwegs seid, könnt ihr euch auch jeweils ein Exemplar in den Kulturbeutel packen, dann entfällt das Ein- und Auspacken und ihr seid beim Packen des Koffers deutlich schneller. Wir haben tatsächlich von den meisten Dingen nur noch eine Ausführung. Nur von häufig genutzten Utensilien wie Zahnbürsten, Zahnpasten, oder Shampoo haben wir noch ein weiteres in Reserve.

 

Ebenso verfahrt ihr auch mit den anderen Utensilien in eurem Badezimmer! Braucht ihr wirklich Glätteisen und Lockenstab? Mit der richtigen Technik kann man nicht nur glätten, sondern auch tolle Locken mit einem Glätteisen zaubern, das macht den Lockenstab überflüssig! Braucht ihr wirklich mehrere Paletten mit Lidschatten oder benutzt ihr doch immer nur die gleiche(n) Farbe(n)? Welches Make Up verträgt sich mit eurem Hauttyp und steht euch wirklich?

 

Arbeitet euch durch jede Kategorie hindurch. Produkte die ihr nicht mehr braucht, die aber noch haltbar sind, müsst ihr nicht wegwerfen. Verschenkt sie doch an Freunde oder Verwandte. Vieles kann man sogar noch verkaufen. Das gilt auch für elektronische Geräte.

Den Status Quo halten

 

Ausmisten und klar Schiff machen ist schön und gut, wenn man aber nicht ein paar Regeln befolgt, sieht es bald wieder genauso aus.

Hier folgen 3 Punkte um den Zustand des neuen minimalistsichen Badezimmer zu halten.

 

1. Produkte erst aufbrauchen

Ja es ist verlockend, wenn man ein neues Produkt gekauft hat, es auch direkt zu benutzen. Ich nehme mich da nicht von aus. Das ist aber nur sinnvoll, wenn das zu ersetzende Shampoo, Deo, Make Up auch wirklich leer ist. Anderenfalls hat man dann auf einmal zwei angebrochene Produkte im Schrank stehen. Handhabt man das öfter mal so, quillt der Schrank schnell wieder über und man ist von einem ordentlichen, minimalistischen Badezimmer genauso weit entfernt wie vorher. Leider geht das schneller, als man denkt und schwups steht man wieder an Punkt Nr 1 dem Ausmisten. Das kostet Geld, Zeit und Nerven. Von dem vielen Geputze zwischen all den Tigelchen und Fläschchen mal ganz abgesehen.

 

2. Nicht jeden Trend mitmachen

Genauso wie bei Mode gibt es auch bei Make Up, Pflegeprodukten und Parfums ständig Neuheiten. Auch Elektrogeräte wie Föhn, Glätteisen und Co bilden da keine Ausnahme. So verlockend die Werbung auch ist, man sollte immer erstmal einen Schritt zurücktreten und einen Kauf abwägen, statt sofort ins Geschäft zu rennen.

Passt das Make Up überhaupt zu meinem Hauttyp oder macht das tolle neue Puder meine Haut eventuell sogar noch trockener? Steht mir als kühler Hauttyp überhaupt Lidschatten in Neonfarben oder wirke ich dadurch vielleicht noch blasser?

Brauche ich für die vier Partys im Jahr wirklich das tolle neue Glätteisen oder reicht da auch mein schon vorhandenes Gerät weil ich sonst ohnehin nur Pferdeschwanz trage?

Pflegt die neue gehypte Bodylotion meine Haut wirklich besser oder bekomme ich von dem intensiven Duft der mich zunächst anspricht auf die Dauer doch ehr Kopfschmerzen statt zarter Haut?

Stellt man sich diese Fragen, kommt man oft zu dem Schluss die neuesten Trends doch nicht unbedingt mitmachen zu müssen. Das spart Geld, Zeit und Ressourcen weil die Produkte dann hinterher nicht nahezu ungenutzt in den Müll wandern!

 

3. Qualität vor Quantität – auch im Badezimmer

Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass Qualität immer der Quantität vorzuziehen ist! Ziehe beispielsweise das höherwertige und dafür oft dann auch teurere Glätteisen vor! Mit hochwertigen Geräten hat man sehr viel länger Freude als mit den günstigen. Sie halten meist länger, sind schonender für Haut und Haare (zB beschichtete Platten, Temperaturkontrolle) und viel besser durchdacht (ich sage nur Kabellänge). An dem Satz „Wer billig kauft, kauft zwei Mal“ ist viel Wahres dran! Das Gleiche gilt auch für Pflegeprodukte, Make Up und Parfum.

Die hochwertigen Produkte sind meistens auch die minimalistischsten, was die Anzahl der Inhaltsstoffe angeht.

Mit Apps wie CodeCheck oder ToxFox kannst du ganz einfach beim Einkaufen den Barcode scannen oder den Produktnamen eingeben. Daraufhin zeigt dir die App die Inhaltsstoffe der Produkte an, beschreibt wofür sie genutzt werden, was problematisch sein könnte und erstellt anhand der Inhaltsstoffe mit Hilfe eines Rings ein Gesamtbild wie empfehlenswert das Produkt ist.

Es ist wirklich erschreckend, wie viel Mikroplastik oder potentiell krebserregende oder hormonell wirksame Stoffe in den Produkten stecken, die wir tagtäglich verwenden!

Möchte man solche Stoffe vermeiden, schrumpft die Anzahl der in Frage kommenden Produkte erheblich. Das bedeutet aber keineswegs, dass man gar nichts mehr kaufen kann, man sollte es sich nur zur Gewohnheit machen, lieber einen hochwertigen Lippenstift zu kaufen statt 5 billige!

 

Vor jedem Kauf die Inhaltsstoffe zu checken, kann ganz schön umständlich und nervig sein. Ich habe mich schon oft geärgert, das in dem Produkt, das mir gefiel, so viel Mist enthalten war. Trotzdem kaufe ich es dann nicht.

Denn bedenke immer: Alles hat seinen Preis und wenn etwas billig (produziert) ist, zahlst entweder du oder jemand anderes woanders drauf! Sei es, weil die billigen Inhaltsstoffe deinem Körper schaden, weil die Natur zur Gewinnung des billigen Stoffes zerstört wird oder weil ein Mensch auf der anderen Seite der Welt seine Familie nicht ernähren kann, da er nur einen Hungerlohn für die Herstellung des Billigproduktes für einen Großkonzern erhält!

Bildquellen

  • jared-rice-PibraWHb4h8-unsplash: https://unsplash.com/photos/PibraWHb4h8