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Die Kisten auf dem Dachboden

Da man als Minimalist gefühlt niemals ankommt, im perfekten minimalistischen Zustand, überkommt auch uns immer wieder das Gefühl, dass immer noch zu viel herumliegt. Vor allem der Dachboden und der Keller hatten eine Entrümplung dringend nötig. Wir holten die ersten Kisten herunter und fingen an sie durchzuschauen. Jedes Kind hat bei uns eine Baby-Erinnerungskiste. Darin befinden sich zB Grußkarten zur Geburt, Babykleidung, der Mutterpass, die erste Haarsträhne, Schühchen und viele andere Dinge. Auch mein Mann und ich haben jeweils so eine Kiste. Und dann gibt es noch eine Kiste von unserer Hochzeit und eine Kiste mit Flohmarktsachen und eine Kiste mit Kleidung die momentan nicht passt aber zB auf den kleinen Bruder wartet. Und noch eine Kiste mit Wintersachen und und und.

Schon oft haben wir diese Kisten heruntergeholt, durchgeschaut, etwas aussortiert und wieder nach oben gebracht. Auch dieses Mal lief es genau so ab. Allerdings war ich danach auf einmal richtig schlecht gelaunt. Normalerweise verschafft mir das Ausmisten immer ein gutes Gefühl. Ich versuchte also nachzuspüren was nun das Problem sein könnte, während ich in weitere Kisten hineinschaute. 

Die Erkenntnis – does it spark joy?

Während ich die Fotokisten durchsah stieß ich auf ein Fotoalbum, das meine Großeltern mir zu meinem 18. Geburtstag geschenkt hatten. Außerdem fand ich auch noch eine alte Zeitung genau von dem Tag als ich geboren wurde. Während ich diese Sachen betrachtete kam mir auf einmal ein Gedanke: „Warum habe ich eigentlich all diese Sachen? Sicher ist es schön ab und an mal ein Erinnerungen zu schwelgen oder den Kindern zeigen zu können wie man früher mal aussah. Aber muss man dafür all diese Dinge horten?“

*Marie Kondo würde fragen: „Does it spark joy? Macht es mich glücklich?“

Der Gedanke daran, diese Dinge nicht mehr in die Hand nehmen zu können, löste in mir keine Traurigkeit aus aber statt dessen ein gewisses Gefühl von Schuld statt Glück. Wie kann ich denn etwas wegwerfen, was andere für mich aufgehoben und mir geschenkt haben? Mit diesem Gedanken im Hinterkopf öffnete ich meine Erinnerungskiste und sah mir die Sachen darin an. Ich musste feststellen, dass auch die meisten Sachen in dieser Kiste nicht da drin waren weil ich sie so liebte, sondern weil andere sie mir geschenkt hatten oder für mich aus meiner Kindheit aufgehoben hatten.Das war es also, was mich so unzufrieden zurückgelassen hatte.

Ist es wirklich ein Gefallen oder eine verschobene Aufgabe?

Wie das mit Erkenntnissen so ist, führte es mich aber sofort zur nächsten Frage „Tue ich anderen wirklich einen Gefallen indem ich etwas für sie aufhebe? Oder schiebe ich damit nur die Zuständigkeit zur nächsten Person und verpacke diesen Vorgang als nette Geste oder gar Geschenk??“

In „*Das große Magic Cleaning Buch“ schreibt Marie Kondo, dass es kein wirkliches Ausmisten ist wenn man die aussortierten Sachen seinen Eltern, Geschwistern oder Freunden bringt. Diese bringt man nämlich dann direkt in eine blöde Situation. Die Überwindung zu sagen „Nein ich möchte diese Sachen nicht haben“ ist unglaublich groß. Man selbst hat damit dann ein erleichtertes Gewissen, weil man nicht selbst über das gehen oder bleiben der Sachen entscheiden muss. Allerdings hat man damit den schwarzen Peter dem anderen zugeschoben. Der kämpft jetzt zusätzlich auch noch mit einem schlechten Gewissen weil er oder sie „das Geschenk“ eigentlich gar nicht will aber Hemmungen hat es zu entsorgen. 

Möglicherweise ist das für euch im Falle meiner Erinnerungskiste etwas weit hergeholt denn aussortierte Sachen kann man meistens nicht mit Erinnerungsstücken gleichsetzen aber dies war genau der Punkt weshalb ich viele Sachen all die Jahre behalten habe, einfach weil ich ein schlechtes Gewissen hatte sie wegzuwerfen.

Wertvoll bedeutet nicht für jeden das Gleiche

Außerdem muss man auch immer bedenken, dass anderen die Dinge vielleicht nicht so wichtig sind wie einem selbst. Meinen Großeltern ist es beispielsweise immer wichtig gewesen, Tageszeitungen von besonderen Daten aufzubewahren wie z.B. die Tageszeitung von dem Tag als ich geboren wurde. Diese haben sie mir in mehrfacher Ausführung zum 18. Geburtstag geschenkt. Ich persönlich weiß aber ehrlich gesagt gar nicht so genau was ich damit anfangen soll, vor allem nicht in Zeiten des Internets in denen alle Infos nur einen Klick entfernt sind.

Die minimalistischste Lösung

Zu der Zeit als ich begann mich mit dem Thema Minimalismus auseinanderzusetzen, laß ich von Minimalisten, die keine Dinge zur Erinnerung besaßen sondern einfach ihre Schätze fotografierten. Die Erinnerung beim Ansehen der daraus entstandenen Bilder war die Gleiche, die Berge von Kisten waren aber verschwunden.

Mit dieser Erkenntnis war es auf einmal ganz leicht all die Sachen, die ich nur behalten habe weil andere sie mir geschenkt hatten, zu entsorgen. Ich fotografierte alles und archivierte es ordentlich. So kann ich jederzeit in Erinnerungen schwelgen ohne von all den Kisten erschlagen zu werden. Sogar die alten Fotos aus den Alben habe ich digitalisiert. Damit sind sie meiner Meinung nach sogar noch besser aufbewahrt, denn von den alten Fotos gab es bisher keine digitale Kopie. Ein Wasserschaden hätte sie vernichtet.

Da ich nicht möchte, dass meine Kinder mal in der selben Situation sind habe ich auch die Babykisten rigoros ausgemistet. Das bedeutet nicht, dass sie jetzt leer sind. Es gibt einfach Dinge die möchte man auch später noch in den Händen halten, die habe ich für sie bewahrt. Von der Karte, die eine entfernte Bekannte der Oma zur Geburt geschickt hat, reicht aber auch ein Foto. Zu jeder Erinnerungskiste gibt es dann später mal einen USB Stick. Mit all den Fotos von Geburtstagkarten, Kindergartenbildern, Urkunden, Baby- und Kinderbildern, Lieblingsspielzeug und den ersten Schühchen.

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