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Das Kinderzimmer ist voller Spielzeug, zu jeder Gelegenheit gibt es immer wieder etwas Neues. Man sollte meinen, die Kinder kommen vor lauter Spielen gar nicht mehr aus ihrem Zimmer heraus. Doch häufig ist das Gegenteil der Fall. Langsam öffnet sich die Kinderzimmertür, das Kind schlurft heraus und steht jammernd vor einem. „Mir ist sooooo langweilig“ heißt es dann meistens. Jegliche Spielvorschläge laufen ins Leere und der erste Impuls der aufploppt ist: Vielleicht brauchen die Kinder etwas Neues zum Spielen. Ich hab da doch letztens etwas gesehen… (Den Beitrag Zum Thema Geschenke findet ihr hier) Manchmal bringen die Kinder sogar selbst Ideen an, welches Produkt das Herz sofort höher schlagen lassen würde. Sei es etwas das sie bei meinem Freund /einer Freundin oder etwa im TV oder in der Zeitschrift gesehen haben. Das Objekt der Begierde ist schnell bestellt, die Freude beim Eintreffen groß und die Begeisterung hält ein paar Tage, manchmal sogar ein paar Wochen. Doch dann hört man irgendwann wieder die schlurfenden Schritte des Sprösslings und das Ganze geht von vorne los. Ein Teufelskreis. Das Kinderzimmer wird immer voller, das Portemonnaie immer leerer und die Eltern immer gestresster.  

Nichts anzuziehen

Doch es geht auch anders! Jedes Mal wenn wir im Urlaub sind wird uns immer wieder bewusst wie wenig wir brauchen. Ferienhäuser sind eher minimalistisch eingerichtet und trotzdem hat man alles was man braucht. Danach sind wir nochmal motivierter unser Zuhause noch ein bisschen weiter auszumisten. Was für den Haushalt gilt, gilt genauso für das Spielzeug der Kinder. Da auch unser Gepäck auf das Nötigste beschränkt ist (denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck) finden nur wenige Spielzeuge den Weg in den Koffer. Überraschenderweise spielen die Kinder nirgendwo schöner als im Urlaub. Sie sind kreativer, spielen ausdauernder und streiten kaum. Doch wie kann das sein? 

Im übertragenen Sinne kennen wir diese Situation auch als Erwachsener. Die meisten Menschen haben unglaublich viele Kleidungsstücke. Lange Hosen, kurze Hosen, Sporthosen lange und kurze, lange Röcke, kurze Röcke, lange und kurze Kleider, Blusen mit langen Ärmeln und kurzen Ärmeln, Pullover, Sportshirts, Winterjacken, Sommerjacken, Übergangsjacken, Schlafanzüge, Unterwäsche, Socken und über Schuhe und Accessoires reden wir erst gar nicht. Trotzdem stehen sie immer wieder vor dem Kleiderschrank und haben nichts zum anziehen obwohl sie beim Öffnen desselbigen fast von einer Lawine erschlagen werden.  

Sie haben schlicht und ergreifend die Qual der Wahl zwischen zu vielen Alternativen und sind überfordert. 

Stress im Kinderzimmer

Was uns Erwachsene stresst, stresst Kinder umso mehr. Sie wissen vor lauter Spielzeug gar nicht mehr womit sie jetzt eigentlich spielen sollen. Außerdem ist das Gehirn beim Anblick von so vielen verschiedenen bunten Dingen bereits gestresst. Nach dem Spielen folgt dann auch noch das Aufräumen und wer Kinder hat kennt die Dramen um das Aufräumen des Kinderzimmers. Schaffen wir den Kindern also noch mehr Spielzeug heran erweisen wir ihnen einen Bärendienst und befeuern den Stress noch weiter.

Unsere Kinder haben zu Weihnachten mal eine Spielküche bekommen. Sie stand ganz oben auf dem Wunschzettel und wurde zunächst auch freudig bespielt. Allerdings mussten sie auch feststellen, dass das ganze kleinteilige Zubehör auch immer wieder aufgeräumt werden musste. Als sie dann zur nächsten Gelegenheit noch mehr Zubehör für ihre Kinderküche bekamen rollte unsere Tochter mit dem Augen und sagte: „Och nee nicht schon wieder so viele Sachen die wir wieder aufräumen müssen.“ Das war für mich ein absoluter Schlüsselmoment. Wir setzen uns kurz danach zusammen und beschlossen mit den Kindern, dass die Kinderküche zu anderen Kinder weiterziehen konnte. Das Aufräumen nach dem Spielen stand schon für unsere Kinder in keinem Verhältnis zum Spielspaß.

Weniger ist mehr

Die Lösung hier lautet wie immer im Minimalismus – weniger! Es führt kein Weg daran vorbei das Spielzeug deutlich zu reduzieren. Die geringe Auswahl an Spielzeug ist auch die Antwort auf die Frage, warum die Kinder im Urlaub so ausdauernd und kreativ spielen. Die Auswahl ist limitiert, sie sind weniger gestresst und haben den Kopf frei um kreative Ideen zu entwickeln. Warum trägt Mark Zuckerberg immer nur eine Jeans, einen blauen Kapuzenpullover und ein graues Shirt? Weil er nur Jeans, blaue Kapuzenpullover und graue Shirts in seinem Kleiderschrank hat. So muss er sich Morgens nicht vor dem Kleiderschrank für ein Outfit von vielen entscheiden. Das spart Zeit und Hirnleistung die anschließend frei ist für wichtigere Dinge, denn die Entscheidungsfreude unseres Gehirns ist begrenzt.  

Minimalismus im Kinderzimmer – eine Mission possible

Stellt sich nun die Frage: was bleibt im Kinderzimmer und was kommt weg?

1. Um einen Anfang zu machen, entsorgt man zuerst alles was kaputt oder unvollständig ist.

2. Außerdem ist es unnötig verschiedene Ausführungen von ein und derselben Sache zu haben. Kein Kind braucht 20 Autos oder 15 Puppen genauso wenig wie 10 Puzzle, 7 rote Buntstifte oder 12 Kostüme.

3.Anschließend können Dinge aussortiert werden, für die deine Kinder zu groß oder zu alt geworden sind.

4. Bei der Entscheidung, was anschließend noch bleiben soll hilft auch immer die Frage was man damit spielen kann. Um zu verdeutlichen was ich damit meine folgendes Beispiel: Viele Spielzeuge bieten nur einen Spielweg. Eine Kaffeemaschine für die Kinderküche ist einfach nur eine Kaffeemaschine. Sie bietet keine Alternative zu dem Küchenspiel. Eine Packung voller neutraler Holzbausteine bietet dagegen so viel mehr. Man kann damit Türme bauen, oder einen Zaun für die Tiere, oder eine Straße für die Autos, oder ein Haus für die Püppchen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und das ist genau das, was gutes Spielzeug ausmacht! 

5. Die Vorlieben der Kinder sind unterschiedlich aber ein Ziel sollte es sein, die Fantasie und die Kreativität der Kinder mit dem richtigen Spielzeug anzuregen. Wenn ihr euch bei manchen Dingen unsicher seid, packt sie in eine Kiste und räumt sie für ein paar Wochen weg. Werden die Spielzeuge vermisst könnt ihr sie wieder herausholen. Sind sie aus dem Sinn sobald sie aus den Augen sind können sie weiterziehen. 

Die Auswahl an Spielzeug unserer Kinder ist übersichtlich. Vor allem im Vergleich zu anderen Kindern die wir kennen. (Es reicht aber trotzdem um ein heilloses Chaos anzurichten…) Vor ein paar Jahren kam eine Freundin unserer Tochter zu Besuch. Als sie ins Kinderzimmer kam sah sie sich um und fragte erstaunt: „Wo sind denn eure  ganzen Spielzeuge?“ Komischerweise haben sie trotzdem stundenlang ganz toll miteinander gespielt genauso wie die anderen Kinder die immer mal wieder zu uns zum Spielen kommen. 😉 

Bildquellen

  • FE7D9487-41F8-48C7-9E82-186CFA7D12D5: Unsplash.com Shirota Yuri